Als ich unseren letzten Wagen verkauft habe, ist mir etwas aufgefallen: Vom Inserat über die Preisverhandlung bis zur Terminvereinbarung lief alles über den Bildschirm. Der einzige Moment, in dem ich dem Käufer tatsächlich gegenüberstand, war die Schlüsselübergabe. Vor fünfzehn Jahren wäre das undenkbar gewesen, da stand man samstags auf dem Occasionsplatz und hat sich die Beine in den Bauch gestanden. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, wie viel von unserem Alltag eigentlich inzwischen online stattfindet.

Einkaufen: 15,8 Milliarden Franken per Mausklick
Die Zahlen dazu sind eindeutig. Der Schweizer Onlinehandel hat 2025 einen Umsatz von 15,8 Milliarden Franken erreicht, ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die Jahreserhebung von Handelsverband.swiss, NielsenIQ und der Post zeigt. Der grösste Teil davon, rund 13 Milliarden, bleibt bei Schweizer Händlern. Was mich daran am meisten überrascht: Es sind längst nicht mehr nur Bücher und Elektronik. Wir bestellen inzwischen Reifen, Kindervelos und sogar den Weihnachtsbaum online, und ich wette, bei dir zuhause sieht die Bestellhistorie ähnlich bunt aus.
Unterhaltung: Der Bildschirm ersetzt den Ausgang
Beim Thema Freizeit ist die Verschiebung noch deutlicher. Laut dem IGEM-Digimonitor 2025, der jährlich die Mediennutzung der Schweizer Bevölkerung erhebt, schauen 4,8 Millionen Menschen in der Schweiz zumindest gelegentlich YouTube, Netflix erreicht 3,4 Millionen und damit gut die Hälfte der internetnutzenden Bevölkerung. Der Kinoabend von früher ist für viele zum Streamingabend geworden, inklusive Lieferdienst statt Restaurant. Ich sage nicht, dass das nur gut ist. Aber bequem ist es, und gegen bequem kommt auf Dauer kein Geschäftsmodell an, das eine Anfahrt voraussetzt.
Auch der Autokauf beginnt heute im Browser
Womit wir beim Kernthema dieses Blogs wären. Kaum jemand fährt heute noch unvorbereitet zum Händler. Die Recherche läuft vorher online: Modelle vergleichen, Preise checken, Occasionsbörsen durchforsten, Leasingrechner füttern. Der Showroom ist nicht tot, aber er ist vom ersten zum letzten Schritt geworden. Wer die Grundsatzfrage noch vor sich hat, findet hier meine Überlegungen zu leasen oder kaufen, und auch beim Verkauf des Gebrauchten führt der beste Weg inzwischen übers Netz. Die Probefahrt bleibt zum Glück analog, noch lässt sich ein Fahrgefühl nicht streamen.
Was dabei gewinnt und was verliert
Gewonnen haben wir vor allem Vergleichbarkeit. Wer heute etwas kauft, egal ob Waschmaschine oder Wagen, kann in einer halben Stunde mehr Angebote nebeneinanderlegen, als früher an einem ganzen Samstag möglich war. Das drückt die Preise und entlarvt schlechte Deals. Verloren geht dafür der Zufall: das Gespräch am Marktstand, der Händler, der einem noch einen Tipp mitgibt, der Kinofilm, in den man nur ging, weil der andere ausverkauft war. Deshalb halten wir bewusst dagegen, mit Ausflügen, für die man das Haus tatsächlich verlässt, und mit Spieleabenden am Küchentisch statt vor dem Bildschirm.
Fazit
Die Verlagerung ins Netz ist keine Zukunftsprognose mehr, sie ist längst Alltag, und die Zahlen aus Handel und Mediennutzung belegen das Jahr für Jahr deutlicher. Mein Fazit ist pragmatisch: Vergleichen und recherchieren gehört ins Netz, erleben gehört nach draussen. Wer beides sauber trennt, holt aus beiden Welten das Beste raus. Und unterschreibt nebenbei auch beim nächsten Autokauf einen besseren Vertrag.